Ich betrachte und erlebe „Bewusstheit durch Bewegung“ als ein sich stetig fortschreitendes sich Entwickeln und Reifen, in das ich mich begebe, wenn ich es tue: zuhause, für mich allein, im Rahmen der Trainings, die ich begleite, in den verschiedenen Fortbildungen, während der Vorbereitungen für mein Unterrichten und während des Unterrichtens. Seit fünfundzwanzig Jahren sammle ich eigene Erfahrungen in „Bewusstheit durch Bewegung“. Seit fünfzehn Jahren unterrichte ich die Methode in meinen eigenen Gruppenkursen. Seit zwei Jahren habe ich gelegentlich die Möglichkeit, ATM Lektionen auch in Feldenkrais Trainings zu unterrichten. In Bewusstheit durch Bewegung ist es mein Hauptanliegen, dass die Schüler selbst herausfinden, wie sie sich in Bewegung bestmöglich organisieren. So sehe ich in jeder Lektion die Hauptaufgabe, einen Weg zu finden, mit sich selbst umzugehen. Es klingt so einfach und doch ist es für sehr viele die größte Herausforderung. Für eine Gruppe eine Lernsituation zu schaffen, fordert immer eine große Präsenz und Offenheit im Raum, gleichzeitig Aufmerksamkeit für jeden einzelnen und es braucht tiefes funktionales Verständnis, eine klare Sprache, Flexibilität und Spontanität, um innerhalb der klaren Struktur einer Lektion, frei von Moment zu Moment unterrichten zu können. „Bewusstheit durch Bewegung“ zu unterrichten ist für mich ein fortlaufender Lernprozess, in dem ich mich bewege, seit ich Gruppen unterrichte. Ich habe verschiedene Trainer studiert, wie sie ATM unterrichten und untersuchte die Wirkung deren Sprache. Die Klarheit oder Unklarheit der Formulierungen, die Qualität einer Anleitung erkenne ich daran, ob dabei in mir ein offener Raum für das eigene Erleben und Empfinden entsteht, für das eigene Wahrnehmen von Bewegung, dem Erkennen von Zusammenhängen und Beziehungen. Letztendlich zeigt sich die Qualität eines Unterrichts darin, ob ein freier Raum für Lernen entsteht. Zuviel Vorgaben schränken dies ein, manipulieren in eine bestimmte Richtung und machen diesen Raum letztendlich enger. Das bewirkt oft das Gegenteil davon, was ich möchte. Es kann sein, dass bei zu vielen Vorgaben beim Schüler ein Gefühl von „ich sollte nun etwas fühlen“ oder „es sollte so oder so sein“ entsteht. Ein Unterricht mit zu wenig Vorgaben wirkt hingegen oft beliebig und nicht präzise und differenziert genug, hinterlässt zwar vielleicht ein Wohlgefühl, aber auch nicht mehr. Es ist wichtig, eine gute Balance zu finden, wenn man sensorische Hinweise formuliert. So ist es am Beginn eines Unterrichts oder mit neuen Schülern hilfreich, einfache sensorische Hinweise anzubieten, Ideen, was man dabei fühlen könnte. Im Weiteren ist es bei sensorisch erfahrenen Schülern nicht mehr so wichtig, diese Vorschläge zu bringen. Die Aufmerksamkeit kann hier vielmehr auf funktionale Zusammenhänge, auf Beziehungen einzelner Teile zueinander gelenkt werden. Vor allem beim Unterrichten von Studenten in den Feldenkrais Trainings habe ich erlebt, dass die Klarheit der Sprache ausschlaggebend ist, ob die Lektion in einer umfassenden Weise vom Studenten verstanden werden kann, ob funktionale Zusammenhänge spürbar gemacht werden konnten. Dies setzt voraus, dass ich selbst die Essenz einer Lektion verstanden habe. Auch dies ist und bleibt für mich ein fortlaufender Prozess. Je öfter ich eine ATM unterrichte, umso feiner spüre ich die Wichtigkeit einzelner Elemente, deren Beziehung zueinander und kann bei jedem weiteren Mal diese Information deutlicher vermitteln. Es ist interessant, dass ich eine ATM erst dann beginne, tiefer zu verstehen, wenn ich sie unterrichte. Ich bin immer daran interessiert, die Essenz in jeder Lektion zu finden und es ist faszinierend und manchmal sehr überraschend, welche neuen Aspekte und Antworten sich zeigen, wenn ich die Bewegungen meiner Schüler beobachte. Im Rahmen der Supervisionstage, die ich inzwischen regelmäßig anbiete, beginne ich den Tag mit einer ATM. Diese Lektion wähle ich passend zum funktionalen Thema, welches ich danach in einer FI Demonstration präsentiere. Als Basis verwende ich dazu Alexander Yanai Lektionen. Im Rahmen dieser ATM soll für die Studenten selbst erfahrbar werden, was sie in der FI – Demonstration sehen und im Anschluss mit einem Partner gemeinsam erkunden.