Feldenkrais ist für mich eine Art zu denken. Die Feldenkrais Methode zu unterrichten bedeutet, einen Raum zu kreieren, in dem Lernen und Entwicklung möglich wird. Organisches Lernen findet in Form von fortschreitenden Prozessen statt. Auch wenn man ein Ziel vor Augen hat oder etwas, was man verbessern möchte, Lernen wird nur dann gelingen, wenn man den Prozess gestaltet und nicht nur das Ziel im Fokus hat. Die Feldenkrais Methode zu unterrichten braucht Vorbereitung, Klarheit und Präsenz, in meiner Aufmerksamkeit manchmal Unschärfe und dann wieder Präzision. Es benötigt große Bilder und gleichzeitig den Blick ins Detail, den Bezug nach Außen und das Spüren nach Innen. Ich kann es steuern durch die Art meiner Sprache und Anleitung, durch die Qualität meiner Berührung, die Klarheit meiner eigenen Bewegung und Selbstorganisation. Ich leite das Lernen durch meine Art, Fragen zu stellen, verbal oder nonverbal und durch meine Offenheit, Antworten zu erwarten, diese zu sehen, zu hören, zu spüren und zu verstehen. Die Qualität eines Unterrichts zeigt sich darin, wie gut dieser Dialog funktioniert und manchmal geht es für eine lange Zeit nur darum, diese Kommunikationskanäle zu öffnen. Wir schaffen gemeinsam eine Lernsituation, indem wir das, was wir tun, erfahrbar machen, sichtbar oder spürbar, wahrnehmbar durch unsere Aufmerksamkeit, die wir darauf lenken. Die Erfahrung wirkt in beide Richtungen; so lerne ich selbst wie auch mein Schüler lernt, somit lernen wir gemeinsam. Das eine ist ohne das andere nicht möglich. Wie dies gelingt, ist von Situation zu Situation, von Schüler zu Schüler verschieden. So braucht es in jeder neuen Begegnung zu jeder Zeit eine neue Aufmerksamkeit und Offenheit für einen neuen Dialog. Meine Erfahrungen diesbezüglich sind so vielfältig wie ich bisher Begegnungen in dieser Form hatte, und im Grunde gleicht keine einer anderen. Ich kann hier nur Ausschnitte und einige Einblicke geben in diese Vielfalt der Erfahrungen, Beobachtungen und Fragen, die sich aus meiner Arbeit in den letzten Jahren gezeigt und angesammelt haben. Für mich beginnt eine Begegnung tatsächlich im ersten Moment einer Begegnung. Schon im ersten Gespräch zeigt sich vieles und für mich gehört alles dazu, was sich zeigt. Erste Begegnungen sind immer herausfordernd, weil man gemeinsam und gleichzeitig einen unbekannten, neuen Raum betritt. Ich lasse dabei gerne sichtbar werden, was sich zeigen mag. Je besser es mir gelingt, präsent und offen zu sein für alles, was sich zeigt, desto mehr Information erhalte ich. Manchmal habe ich dabei den Eindruck, dass ich mehr erfahre, wenn meine verschiedenen Sinne zu einem einzigen werden. Ich will versuchen es zu beschreiben: Es ist, als würde ich mit meinen Augen sehen, was gesagt wird, mit meinen Ohren hören, was sich zeigt und spüren, was ich höre. Es ist herausfordernd, schon in einem ersten Gespräch einen Raum für das Lernen zu öffnen, die Aufmerksamkeit des Schülers in eine Richtung zu verlagern, wo er bereit wird wahrzunehmen, was möglich ist und weg führt aus der Richtung, wo etwas nicht möglich ist. Das gelingt manchmal, manchmal auch nicht, dann wieder habe den Eindruck, es ist zu früh. Das Gespräch vor einer FI oder einer ATM kann eine Einleitung, eine Vorbereitung sein, in der sich der Schüler sicher und gut fühlen sollte. Meine Intention in solch einem Gespräch ist vielschichtig. Ich möchte den Raum offen halten für alles, was sich zeigen mag, ich höre zu und hole den Schüler da ab, wo er ist. Gleichzeitig kann ich behutsam die Aufmerksamkeit des Schülers in eine Richtung lenken, wo eine Offenheit entsteht, die Lernen möglich macht. Eine erste Begegnung ist für mich immer eine Art „Kennenlernen“, ein Sammeln von Informationen, eine Möglichkeit, sich ein Bild zu machen, es zu entwerfen, zuerst wie eine Skizze, manchmal unscharf und grob umrissen während eines ersten Gesprächs, dann etwas klarer bei ersten Erkundungen verschiedener Bewegungen. Letztendlich wird es präziser und bekommt schärfere Konturen während einer ersten Lektion, einer ersten FI oder ATM. Das Bild vervollständigt sich mehr und mehr mit jeder weiteren Begegnung. Eine FI oder ATM ist für mich wie ein Bilderrahmen, in dem das Bild, das ganze Selbst sich zeigen kann.
